Insgesamt werden in Deutschland fast 140 Rebsorten angebaut, wovon über 100 zur
Weißwein- und 35 zur
Rotweinbereitung dienen. International gilt Deutschland zwar noch als klassisches Weißweinland; seit der Mitte der 1980er Jahre steigt jedoch die Nachfrage nach deutschen Rotweinen stetig. Dies hat zu einer Verdoppelung von deren Rebfläche auf nunmehr ca. 35 Prozent der Gesamtrebfläche geführt. Ein Teil der roten Ernte wird auch zur Herstellung von
Roséwein verwendet. Von den angebauten Rebsorten besitzen nur etwa 30 eine Marktbedeutung.
Der Weinbau ist in Deutschland auf den kulturellen Einfluss der
Römer zurückzuführen, die die Gunstlagen der natürlichen
Flussterrassen aus dem
Quartär erkannten und vor allem in Süddeutschland erstmals großflächig erschlossen. Die Römer pflanzten die Reben im
Kammertbau in einem Kammertrahmen aus Holz an. Der Weinbau wurde auch nach dem Rückzug der Römer weiter praktiziert und prägt bis heute die
Kulturlandschaft in Deutschland. Sorgfältig gepflegte Rebstöcke können ein Alter von mehr als 400 Jahren erreichen und zeichnen
Weinorte mit langer Tradition und hoher Güte aus. Im Laufe der Zeit haben die Anbauformen auf
kleinparzellierten Terrassen mit locker gesetzten
Trockenmauern aus dem örtlichen
Ausgangsgestein eine Wandlung erfahren. Diese waren und sind Ursache der Einführung neuer Rebsorten und angepasster Erziehungsformen sowie geänderter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Bis Ende der 1950er Jahre bauten die Winzer in Deutschland die Reben in
Stockkultur, dem Stickelwingert an. Beim Stickelanbau erhält jeder Rebstock einen
Stickel aus Holz als Stütze. Die einzelnen Stickel bilden wiederum einen Holzrahmen. Anfang der 1960er Jahre wurde die Anbauweise auf
Guyot-Erziehung umgestellt und die Reben im
Spalier oder
Hochkultur in talwärtsgerichteten Holzzeilen an den Hängen angepflanzt. Zahlreiche qualitativ hochwertige
Alte Reben wurden der damit einhergehenden
Flurbereinigung geopfert und der Bestand durch
Neuzüchtungen unter
Prämisse des
Ertrags und der
maschinellen Bewirtschaftung verjüngt. Die Flurbereinigung griff auch in die
Geomorphologie der Weinberghänge ein und es wurden am
Kaiserstuhl künstliche Terrassen großflächig angelegt. Das natürliche
Bodenprofil über dem
Löss wurde damit unwiederbringlich zerstört, was eine erhöhte
Erosionsanfälligkeit, eine verminderte
Bodenfruchtbarkeit und letztlich eine geringere
Ertragsmesszahl zur Folge hat. Für den effizienten Einsatz von
Vollerntern wird zwischenzeitlich vermehrt auf eine
Drahtrahmenerziehung der Weinreben umgestellt, bei der statt Stickel verzinkte Metallpfosten gesetzt werden.